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1998 mr 32   Zeichnung auf Transparentpapier, 40 x 100 cm
1999 MR 32 32-teilig Acryl, Sand auf Aluminium, 18 x18 cm je Teil
  MGe 30 30-teilig Acryl, Sand auf Aluminium, 18 x18 cm je Teil
  MGr 30 30-teilig Acryl, Sand auf Aluminium, 18 x18 cm je Teil
  mge 1   Siebdruck, 43 x 83 cm
  mge 2   Siebdruck, 43 x 108 cm
  mge 3   Siebdruck, 43 x 134 cm
  mge 4   Siebdruck, 43 x 159 cm
  mgr 1   Siebdruck, 43 x 86 cm
  mgr 2   Siebdruck, 43 x 111 cm
  mgr 3   Siebdruck, 43 x 132 cm
  mgr 4   Siebdruck, 43 x 156 cm
2000 MGr 12   Wandarbeit, Rathaus Stuttgart
  M.Loop   Wandarbeit, Galerie des Künstlertreffs Reihe 22, Stuttgart
2001 MB 6   Wandarbeit, Privathaus Tübingen
  Mx2   Wandarbeit, Privathaus Stuttgart
2003 M 11/12 18-teilig Plexiglas und Streichputz

 
 
Pulsierende Frequenzen im Raum
Die zweite Werkgruppe beginnt mit einfachen arithmetischen Eingriffe in das bisherige Teilungsprinzip.
Auf der Basis einer Progression wird der Mäander bereits innerhalb einer quadratischen Bildeinheit in Segmente zerlegt, die - als farbige (rote, grüne, gelbe) bzw. nichtfarbige (weiße) Flächenabschnitte sichtbar - alternieren (MR 32, MGr 30, MGe 30). Deutlich erhöht sich die Lesegeschwindigkeit. Leuchtende Signalfarben verstärken den Eindruck von Dynamik, Leichtigkeit und pulsierenden, im Tempo gesteigerten Frequenzen. Das Bild vom vormals ruhig dahinströmende Fluss weicht dem Eindruck, das Wasser würde unruhig über Steine springen, eilig um Kurven und unter Brücken hindurch fließen oder sich in Strudeln stauen. Das „Ganze“ kann in der Gesamtlänge einer Bildreihe vom Betrachter nicht mehr überschaut werden. Ein erkennbarer Zusammenhang fehlt auf den ersten Blick. Zu Grunde liegende Gesetzmäßigkeiten lassen sich vermuten, aber visuell nicht nachvollziehen. Chaos und Ordnung gehen eine Symbiose ein, die spannungsvolle Differenzen zulässt.

Was die Dinge auch sind, so Heraklit , sind sie nur, weil es die ewige Unruhe des Werdens gibt. Dass aus dieser Dynamik der Entwicklung kein Chaos entsteht, dafür sorgen Sinn und Gesetz: der so genannte Logos *. Sabine Laidig selbst nennt ihre wissenschaftlich-künstlerischen Untersuchungen innerhalb einer Werkgruppe „Stichproben“. Im Bewusstsein, dass niemand im selben Fluss zweimal baden kann, baut die Künstlerin Werke in Reaktionen aufeinander auf. Es ist eine schrittweise Auseinandersetzung, die im Wechsel zwischen Kalkulation und Experimentalität zu immer wieder überraschenden neuen Möglichkeiten führt, in das System des Mäanders einzugreifen. In ihrer künstlerischen Arbeit nimmt die Mathematik gewissermaßen die Funktion einer Hilfswissenschaft ein. Der Forschungscharakter ihrer Arbeit steht für sie im Vordergrund. Die Ästhetik entsteht aus der Logik der Mathematik.

Zwischen den Zeilen harter Lektüre lesbar bleiben spielerische Momente und stimmungstragende Anmutungsqualitäten. Um sich von ihnen ansprechen zu lassen, muss der komplizierte Aufbau der Zusammenhänge zwischen beiden Disziplinen aber nicht verstandesmäßig durchschaut werden **. Jederzeit kann sich für den Betrachter aus der Geradlinigkeit und emotionalen Askese der nüchternen Formensprache ein Assoziationsbaustein herauslösen. Die Beziehung zur Musik beispielsweise geht
weit über die Assoziation eines s/w Mäanderfrieses mit Notenschrift hinaus. Die Rhythmik der Zeichenfolge macht auf musikalische Qualitäten aufmerksam. Ein akustisch vorstellbarer Raum erschließt sich zunehmend. Ideen der Künstlerin, den Mäander mit Geräuschen oder Klangelementen in Beziehung zu setzen, existieren bereits.

Sabine Laidig’s Forschungsreihen zeichnen kommunikative Qualitäten aus. Intellektualisierung ohne Blick auf den Menschen liegt ihr fern. Darum leben die Werke vom dialogischen Prinzip zwischen dem Ort, seinen sozialen und kommunikativen Funktionen. Zur zweiten Werkgruppe gehören Wandarbeiten in privaten und öffentlichen Räumen ***. Sinnfälliges Beispiel für die geistige Tragweite und die Grenzen, die einer gewitzten, subversiven Arbeit im öffentlichen Raum aufgezeigt werden können, ist die „Begrünung“ der Flure im Stuttgarter Rathaus (MGr 12).

*)Anm. der Übersetzerin: „Heraklits Lehre der Werdens geht davon aus, dass Veränderung die Art und Weise ist, in der sich die letztendliche Realität, Logos, selbst offenbart“. Dictionary of Philosophy, Thomas Maitner (Hrsg.) Penguin Books Ltd, Harmondsworth, England, 1999.

**)Die drei klassischen Voraussetzungen für die Begegnung mit zeitgenössischer Kunst genügen: Zeit, Neugier und Unvoreingenommenheit.

***) Rathaus Stuttgart (20.3.-20.8.2000), Reihe 22, Galerie des Künstlertreffs Stuttgart (20.6.-15.7.2000), Privathaus Tübingen (Juli 2001), Privathaus Stuttgart (September 2001).

 
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